Wie Portugals Handwerk von Generation zu Generation weiterlebt. Azulejos, Teppiche & Keramik zwischen Tradition und Moderne – mit echten Quellen belegt.
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Wie Portugals Handwerk von Generation zu Generation weiterlebt. Azulejos, Teppiche & Keramik zwischen Tradition und Moderne – mit echten Quellen belegt.
In Portugal wird Handwerk oft noch genauso weitergegeben wie vor Generationen: in der Familienwerkstatt, von den Eltern oder Großeltern an die Kinder. Ob bemalte Azulejo-Kacheln, gestickte Wollteppiche oder handgenähte Lederschuhe – viele dieser Techniken haben eine lange, dokumentierte Geschichte und werden heute von einer neuen Generation weitergeführt und neu interpretiert.
Die bemalten Keramikfliesen, die heute an Hauswänden, in Kirchen und U-Bahn-Stationen überall in Portugal zu sehen sind, stammen ursprünglich nicht aus Portugal: Ihre Wurzeln liegen bei maurischen Mustern aus Nordafrika, der Name selbst geht auf einen arabischen Begriff zurück. Die ersten Kacheln kamen über Spanien ins Land, eine eigenständige portugiesische Produktion entstand ab dem 16. Jahrhundert . Die Fábrica Sant'Anna in Lissabon, seit 1741 in Betrieb, gilt als älteste noch produzierende Kachelfabrik des Landes .
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Die Teppiche aus Arraiolos, einer Kleinstadt im Alentejo, werden traditionell im schrägen Kreuzstich mit Wolle auf Leinen oder Jute gestickt. Die Stickereitechnik selbst ist auf der Iberischen Halbinsel seit dem 12. Jahrhundert belegt, ein Dokument aus dem Jahr 1598 zeigt, dass bereits am Ende des 16. Jahrhunderts in Arraiolos gestickt wurde . Im späten 19. Jahrhundert kam die Produktion fast zum Erliegen – eine Ausstellung 1917 im Lissabonner Carmo-Kloster gilt als Wendepunkt, danach stieg die Zahl der Stickerinnen wieder deutlich . Das Museu Soares dos Reis in Porto bewahrt eines der ältesten erhaltenen Exemplare, datiert auf das 17. Jahrhundert .
Im Alentejo und auf Madeira hat die Korbflechterei aus Schilf, Weiden oder Palmblättern eine lange Tradition – früher vor allem für den Alltagsgebrauch auf Feldern und Märkten, heute zunehmend auch als Alternative zu Plastik. In Städten wie Caldas da Rainha, Barcelos oder Évora arbeiten bis heute Töpfereien, die Geschirr und Figuren in Handarbeit herstellen; der bunte Hahn "Galo de Barcelos" aus Barcelos gilt dabei als eines der bekanntesten portugiesischen Volkskunst-Motive.
Rund um Porto hat die Lederverarbeitung eine lange Tradition, heute vor allem organisiert über den Branchenverband APICCAPS mit Sitz in Porto, der nach eigenen Angaben rund 700 Mitgliedsbetriebe aus Schuh-, Zuliefer- und Lederwarenindustrie vertritt . Rund 90 Prozent der in Portugal gefertigten Schuhe gehen in den Export, etwa zwei Drittel davon sind Lederschuhe .
Traditionelles Wissen lebt in Portugal vor allem davon, dass erfahrene Handwerker:innen es direkt an die nächste Generation weitergeben. In vielen Familienbetrieben kommen Kinder und Jugendliche schon früh in die Werkstatt, schauen zu und übernehmen kleine Aufgaben – das Wissen wird praktisch statt nur theoretisch vermittelt. Daneben gibt es Handwerksschulen und Workshops, teils auch für Touristen, die das Handwerk zusätzlich sichtbar halten.
Dass traditionelle Techniken nicht nur konserviert, sondern auch neu interpretiert werden, zeigt sich am deutlichsten bei Diogo Machado, der unter dem Künstlernamen ADD FUEL arbeitet. Er überträgt klassische Azulejo-Muster in zeitgenössische Street-Art-Arbeiten, etwa ein Wandbild im Lissabonner Stadtteil Estrela, das historische Kachelpaneele der dortigen Treppenanlagen neu interpretiert . Solche Arbeiten zeigen, wie alte Handwerksmuster auch außerhalb von Werkstätten weiterleben – als Kunstform, die international wahrgenommen wird.
Unter anderem Azulejos (bemalte Keramikfliesen), die gestickten Wollteppiche aus Arraiolos, Korbflechterei im Alentejo und auf Madeira sowie das Lederhandwerk rund um Porto.
Viele Werkstätten und einzelne Künstler verbinden alte Techniken mit modernem Design, statt sie nur zu konservieren – etwa der Street-Art-Künstler ADD FUEL, der klassische Azulejo-Muster in zeitgenössische Werke überträgt.
Vor allem in Familienbetrieben: Kinder und Jugendliche lernen schon früh in der Werkstatt mit, daneben gibt es Handwerksschulen und Workshops für Jugendliche und Touristen.
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